
Gay Express
Installation
„Die ganze Insel spie wie betrunken Farbe aus, und dort in der Ecke, in künstlich gefiltertem Licht, war ein Fleckchen Lila, gesund, voller Feinheit.“
— Toni Morrison, Teerbaby.
Unsere Triebe und Wünsche sind Teil der Infrastruktur, sagen Deleuze und Guattari. Der Sozius, eine Gesellschaftsmaschine, hält die Wunschproduktion besetzt und ist gleichzeitig deren Reproduktion. Er macht die Wunschströme bijektiv und univok und ordnet sie einem Herrensignifikanten unter. Der Herrensignifikant funktioniert wie eine Matrize, er ist das serielle Produktionsschema schlechthin: alles wird wiedererkennbar, alles wird gleich. Wo die Wunschmaschinen grundsätzlich polyvok sind, einer Logik folgen, die ständig springt, unmögliche Verbindungen schafft, Rauheit verbindet mit einem Spielzeug oder einer Farbe, schleust die herrschaftliche Matrize Codierungen ein, formatiert die Logik der Wünsche, bis sie an einem Faden aufgezogen werden können und immer das gleiche Bild ergeben: maschineller Platonismus.
Im psychischen Erleben taucht diese maschinelle Produktion als Weltstiftung nicht selbst auf, sondern wird indirekt als räumliche Textur erfahrbar. Wie ein dünnes Glitzern legt sie sich auf Rudimente älterer Ordnungen. Das Fachwerk, die Kindheit, “alles passiert wieder revue,” wird überschrieben und umformatiert. Der Kapitalismus installiert einen transzendentalen Narzissmus: das Paar Wunsch und Gewünschtes ist darin immer schon zirkuläre Operation, dyadische Schließung. Insofern die Besetzung der Wunschmaschinen durch den Sozius deren despotische Linearisierung impliziert, kann das dergestalt gesellschaftlich vermittelte Begehren nichts anderes als Ausdruck eines Konfliktes sein. Genau diese perverse Wunschökonomie ist, nach Marx, falsches Bewusstsein.
Die gesellschaftlichen Produktivkräfte halten diese Zirkulation aufrecht. Aus dem Zirkel permanenter Produktion und Konsumtion gibt es keine Abreise in eine wirkliche Modernität. Darin steckt das Prinzip sozialer Astrologie: die Lokomotive verlässt nie ihre Bahn. Unter dem parasitären Joch der Matrizen bleibt alles beim Alten. Einer durch Ideologie verkleideten Architektur entwächst kein neuer Raum.
Text: Felix Clausberg
Zuerst erschienen in: Jahrbuch der Hochschule für bildende Künste Hamburg (Material Verlag der HFBK Hamburg, 2017).

